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Foto: Claudia Görres
Foto: Axel Hausberg
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Foto: Helmut J. Wolf
 
Bahnhof Rolandseck
Der Bahnhof Rolandseck, das klassizistische Juwel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Remagen, ist seit Jahrzehnten Ort für berühmte Künstler aus der ganzen Welt - für Musiker, Literaten, Maler und Bildhauer. Ursprünglich war der Bahnhof Endstation einer Privatbahn, die ab Köln verkehrte. Heute noch hält hier jede Stunde ein Nahverkehrszug sowohl in Richtung Koblenz als auch in Richtung Köln.
Renovierungsphasen und Neubau
2001 wurde mit der Renovierung und Restaurierung des Bahnhofsgebäudes begonnen und im Oktober 2004 wurde der Bahnhof Rolandseck mit einem großen Fest wiedereröffnet. Der neue Eingang im Sockelgeschoss führt zukünftig auch zum Neubau von Richard Meier auf den Rheinhöhen. In der ersten Etage befinden sich Ausstellungsräume und im Festsaal ist das Bistro Interieur No. 253 von Anton Henning entstanden. Es finden dort auch wieder Konzerte und Veranstaltungen statt.

Der neue Eingang führt zugleich in den Museumsneubau. Ein breiter Tunnel unter den Gleisen bildet die Verbindung zwischen Bahnhof und Museum. Er endet in einem Wechselausstellungsraum für die Gegenwartskunst. Von dort gibt es einen Zugang in die Ausstellungsräume auf den Rheinhöhen, die dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp vorbehalten sind.

Architektur und Geschichte
Der Bahnhof Rolandseck von Emil Hermann Hartwich (1801-1879) wurde 1856 vollendet. Er gilt heute als bedeutendes Kulturdenkmal der rheinischen Kunstgeschichte und des frühen deutschen Eisenbahnbaus. Die umlaufenden gusseisernen Aussichtsgalerien sind markante Zeugnisse des rheinischen Eisenkunstgusses. Schlichte Formen und die ausgewogenen Proportionen der Außenarchitektur geben dem Bau Ruhe und Vornehmheit. Die Anlage des Baukörpers mit den seitlichen Türmen sowie der Park mit den alten Kastanien- und Lindenbäumen binden den Bahnhof harmonisch in die umliegende Villenarchitektur und in die Landschaft ein. Der prächtige Festsaal des Bahnhofs war schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Treffpunkt der Gesellschaft und Schauplatz kultureller Ereignisse am Rhein.

Hier, wo der Reisende des 19. Jahrhunderts von der Bahn in das Rheinschiff oder die Kutsche umstieg, sind Königin Viktoria von England, Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Bismarck zu Gast gewesen. Heinrich Heine, Ludwig Uhland, Karl Simrock, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie Friedrich Nietzsche kehrten ein und wurden von der rheinischen Landschaft und Sagenwelt zu Gedichten, Liedern und Märchen inspiriert. Johannes Brahms, Clara Schumann und Franz Liszt gaben hier Konzerte. George Bernhard Shaw verlegte die Szene eines Theaterstücks hierher. Der junge Guillaume Apollinaire, der während der Spaziergänge auf den Terrassen des Bahnhofs Rolandseck einer jungen Engländerin, Annie Playden, seine Liebe gestand, dessen stürmisches Liebeswerben aber ungehört blieb, schrieb in Rolandseck einen Großteil seiner in Deutschland entstandenen Gedichte.
Der Künstlerbahnhof und sein "spiritus rector"
Nach dem II. Weltkrieg wurde der Bahnhof nicht mehr bewirtschaftet. Das Baudenkmal aus den Anfängen des Eisenbahnzeitalters war dem Verfall preisgegeben und sollte abgerissen werden. Kurz vor dem geplanten Abriss im Jahr 1964 entdeckte Johannes Wasmuth, der im September 1997 verstorbene "spiritus rector" des Bahnhofs, das Gebäude. Voller Tatendrang erweckte er es als Kunst- und Künstlerzentrum zu neuem Leben. Sein Grundgedanke, den Bahnhof Rolandseck in einen Ort künstlerischen Schaffens zu verwandeln, wurde in Marcel Marceaus "Manifest von Rolandseck" am 15. Mai 1969 eindringlich beschworen. So hat sich der Bahnhof zu einem Zentrum der geistig-künstlerischen und gesellschaftlichen Begegnung entwickelt, zu einer Stätte des ungezwungenen Dialogs, offen für jeden Interessierten. Namen wie Martha Argerich, Svjatoslav Richter, Stefan Askenase, die Menuhins, Pinchas Zukerman, Gidon Kremer, Oskar Kokoschka, Gotthard Graubner, Günther Uecker, Bruno Goller, Hans Arp, Wolfgang Hildesheimer, Martin Walser, Gerhard Zwerenz, Marcel Marceau und Clown Dimitri sprechen für Johannes Wasmuths Geschick als Impresario des Bahnhofs.

Nachdem die wirtschaftlichen Probleme dieser Privatinitiative immer drängender wurden, gründete das Land Rheinland-Pfalz 1973 die "Stiftung Bahnhof Rolandseck", die das Bahnhofsgebäude erwarb, die finanziellen Lasten für den Unterhalt und den Betrieb der Kultureinrichtung übernahm und damit die Zukunft des Bahnhofs auf ein solides Fundament stellte.