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>> Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans Arp mit Nabel-Monokel, 1926
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Verwandlung des Reliefs "Kopf mit grüner Nase"
1923/1964
Holzrelief
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Im Walde auszusetzen, 1932
Bronze
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Hans Arp (1886-1966)
Der deutsch-französische Künstler Hans Arp (1886-1966) ist gleichermaßen Maler, Bildhauer wie Dichter. Als Mitbegründer der Dada-Bewegung, die sich im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts sowohl gegen den Krieg als auch gegen gesellschaftliche und ästhetische Normen auflehnt, kommt ihm aus kunsthistorischer Sicht besondere Bedeutung zu.
Sein Oeuvre geht jedoch über diese - zeitlich auf einige Jahre begrenzte - spielerisch-provokative Kunstrichtung hinaus, denn Arp setzt sich intensiv mit vielen avantgardistischen Strömungen seiner Epoche auseinander. Heute gilt er als Hauptvertreter einer organisch-abstrakten Formensprache, die sich an Wandel und Wachstum der Natur orientiert. Die Metamorphose wird dabei zur bestimmenden Idee seiner Kunst. Zu seinen immer wiederkehrenden Motiven gehören Nabel und Torso. Zunächst entstehen Reliefs, Collagen und Zeichnungen, ab 1930 vermehrt vollplastische Arbeiten.

In Straßburg geboren, studiert Arp zunächst an den Kunst- und Gewerbe-Schulen in Straßburg und Weimar, später an der Académie Julian in Paris. Die vorherrschenden konventionellen Lehrmethoden lehnt er jedoch ab, sucht nach neuen künstlerischen Ausdruckmöglichkeiten. 1912 beteiligt er sich - auf Betreiben von Wassily Kandinsky - an den Aktivitäten der expressionistischen Künstlergruppe "Blauer Reiter" in München.
In Zürich lernt er 1915 seine spätere Frau Sophie Taeuber kennen, deren künstlerische Arbeit sein Werk stark beeinflusst und um konstruktiv-geometrische Elemente bereichert. Zusammen mit ihr entstehen Collagen, Plastiken und Textilien. Mit Hugo Ball, Tristan Tzara und Richard Huelsenbeck gründet Arp 1916 die Dada-Bewegung in Zürich. Ihr schließen sich in Berlin Raoul Hausmann, in Hannover Kurt Schwitters und in Köln Max Ernst an. Gemeinsam mit ihnen veröffentlicht Arp Gedichte und Texte, illustriert Bücher und Zeitschriften. Er entdeckt den Zufall als Gestaltungsprinzip.

1922 heiratet er Sophie Taeuber. In Zusammenarbeit mit El Lissitzky gibt Arp 1925 den dreisprachigen Katalog "Kunstismen" heraus, in dem die Hauptkunstrichtungen der Avantgarde aus der Zeit von 1914 bis 1924 erfasst sind. In den folgenden Jahren bewegt er sich zeitweise im Kreis der Pariser Surrealisten.
Hans Arp beteiligt sich gemeinsam mit Theo van Doesburg an dem Auftrag Sophie Taeuber-Arps zur Umgestaltung des ehemaligen Militärgebäudes "Aubette" in Straßburg zu einem modernen Vergnügungszentrum.
Kurz darauf wird nach Sophie Taeuber-Arps Entwürfen in Meudon nahe Paris ihr Wohn- und Atelierhaus gebaut. Von dort aus fliehen sie beim Einmarsch der deutschen Truppen nach Südfrankreich, wo sie bis zu ihrer Rückkehr in die Schweiz im Jahr 1942 bleiben.
Der plötzliche Tod von Sophie Taeuber-Arp 1943 führt bei Hans Arp zu einer langanhaltenden Schaffenskrise. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt er aus der Schweiz nach Meudon zurück. Neue Arbeiten und Gedichte entstehen. Zur ersten großen Einzelausstellung in New York reist er nach Amerika, wo er einige der alten Dada-Freunde wiedertrifft. In den 50er Jahren folgen zahlreiche öffentliche Aufträge, darunter der für die monumentale Plastik "Wolkenhirt" für die Universität in Caracas. 1954 wird Arp auf der Biennale in Venedig mit dem großen Preis für Skulptur geehrt. 1959 heiratet er Marguerite Hagenbach, langjährige Freundin, Sammlerin und Förderin des Künstlerpaares, lebt und arbeitet abwechselnd in Meudon und Locarno. Hans Arp stirbt 1966 in Basel.
Sophie Taeuber mit Dada-Kopf, 1920
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Komposition mit Schrägen und kleinem transparenten Kreis
1916, Gouache
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
o.T.(Veyrier 40), 1940 Zeichnung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Sophie Taeuber-Arp (1889-1943)
Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) gehört zu den innovativsten Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Ihr Wunsch, die Kunst möge alle Lebensbereiche durchdringen, spiegelt sich in ihrem gesamten Schaffen wider. Ihr Werk zeichnet sich durch einen geometrisch-abstrakten Stil aus. Ausgehend von Rechteck und Quadrat entwirft sie vertikal-horizontale Ordnungen. Figuren und gegenständliche Motive deutet sie nur symbolhaft an. Später finden vermehrt auch rhythmisch geschwungene Linien Eingang in ihre Arbeiten. In Abkehr von einer traditionellen kunstgewerblichen Bildsprache entstehen Perlenstickereien, Tapisserien, Möbel und ganze Inneneinrichtungen. Hinzu kommen Gemälde, Zeichnungen, Collagen und einige Skulpturen.

In Davos geboren, besucht Sophie Taeuber verschiedene kunstgewerblich ausgerichtete Schulen. Ihre Ausbildung schließt sie 1914 in den Lehr- und Versuchs-Ateliers für an-gewandte und freie Kunst bei Wilhelm von Debschitz in München ab. 1915 lernt sie Hans Arp kennen. Begeistert von ihren Arbeiten ermutigt er sie, sich noch intensiver der Kunst zu widmen. In enger Zusammenarbeit entstehen Collagen, Plastiken, Textilentwürfe. 1916 nimmt Sophie Taeuber bei Rudolf von Laban Unterricht in künstlerischem Ausdruckstanz. Anlässlich der Dada-Soiréen im Cabaret Voltaire und der Galerie-Dada tritt sie als Tänzerin auf, entwickelt später eigene Choreographien. Sie übernimmt die Leitung der Textilklasse an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Damit ist ihre und künftig auch Arps finanzielle Unabhängigkeit gesichert. Gemeinsam mit Hans Arp, den sie 1922 heiratet, steht sie in engem Austausch mit Vertretern der europäischen Avantgarde.

Sophie Taeuber-Arp entwirft Bühnenbilder und Marionetten, wird als Innenarchitektin aktiv. 1926 erhält sie in Straßburg den Auftrag zur Umgestaltung eines ehemaligen Militärgebäudes, der "Aubette", zu einem modernen Vergnügungskomplex. Zusammen mit Hans Arp und Theo van Doesburg, dem Begründer der holländischen "de Stijl-Bewegung", werden die Planungen realisiert. Der Auftrag ermöglicht dem Künstlerpaar den Bau eines Wohn- und Atelierhauses in Meudon bei Paris nach dem Entwurf von Sophie Taeuber-Arp.

In den dreißiger Jahren schließt sich Sophie Taeuber-Arp mit Hans Arp der Künstlervereinigung "Cercle et Carré" und in der Folge der Gruppe "Abstraction-Création" an. Beide Gruppierungen vertreten die konstruktiven Tendenzen im Bereich der abstrakten Kunst. Sie beteiligt sich an mehreren Gemeinschaftsausstellungen. In dieser Zeit lockern sich ihre statischen Bildgefüge zugunsten dynamischer Kompositionen auf. 1940 zwingt der Einmarsch der deutschen Truppen das Künstlerpaar, Paris zu verlassen. In Südfrankreich entstehen neue Gemeinschaftsarbeiten, an denen neben Alberto Magnelli auch Sonja Delaunay beteiligt ist. 1942 kehren Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp in die Schweiz zurück. Sophie Taeuber-Arp stirbt im Januar 1943 in Zürich an einer Kohlenmonoxydvergiftung.