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Überblick Lesungen 2008
Dienstag, 30. September 2008
19.30 Uhr

Eintritt 5 EUR
Einlass ab 19.00 Uhr

Friedrich Christian Delius

Die Minute mit Paul McCartney

Besser geht es nicht. Zwei junge Deutsche, sieben junge Britinnen, ein Ball, ein Hund, Paul McCartney, der Londoner Regent's Park, eine Minute des Tages, an dem die Beatles »Getting Better« aufnahmen – und Friedrich Christian Delius, der daraus ein Thema komponiert und es 66 mal lustvoll variiert. Zeitungsartikel, Gegendarstellung, Lyrik oder Erlebnisaufsatz – »ein heiteres Spiel mit wechselnden Perspektiven, … ein bunter Fächer von Stil- und Tonarten,« wie die Süddeutsche Zeitung hymnisch lobt, oder doch eine unentschiedene Mischung »zwischen Realismus, Autobiografie und literarischem Spiel,« wie der Autor augenzwinkernd in der letzten Variation des Themas sich selbst kritisiert?

Delius wurde 1943 in Rom geboren, studierte in Berlin und London und lebt heute als freier Autor in Berlin und Rom. Zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Romane, so »Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus«, »Der Königsmacher« oder »Mein Jahr als Mörder« machten ihn bekannt.

Friedrich Christian Delius
Foto: Ingo Wilhelm

Dienstag, 21. Oktober 2008
19.30 Uhr

Eintritt 5 EUR
Einlass ab 19.00 Uhr
Poesie der Nachbarn

Slowenien

Esad Babačić, Milan Dekleva, Barbara Korun, Aleš Šteger, Lucija Stupica, Veno Taufer, Michael Buselmeier, Steffen Jacobs, Dagmar Leupold, Marion Poschmann, Raoul Schrott, Hans Thill, Urška Černe, Bratko Bibiç, Katrin Stangl

Die Poesie erwacht erst im Klang ihrer Sprache, und so muss sie innerlich nachempfunden sein, wenn sie in einer anderen Sprache erlebt werden will. Dieses seltene Vergnügen dichterischen Dialogs ermöglicht die »Poesie der Nachbarn«, welche das Arp Museum Bahnhof Rolandseck gemeinsam mit dem Künstlerhaus Edenkoben und dem Südwestrundfunk nun schon das zwanzigste Mal veranstaltet. Ausländische und deutsche Dichter werden eigens eingeladen zu gemeinsamer Übersetzungsarbeit. Die Ergebnisse, vertieft um Einblicke in die kulturliterarischen Traditionen und gegenwärtigen Tendenzen des jeweiligen Nachbarlandes, werden in zweisprachigen Lesungen in Edenkoben, Mainz und Rolandseck dem Publikum und den Radiohörern vorgestellt und anschließend publiziert. Gastland der diesjährigen, von einem Akkordeon begleiteten zweisprachigen Lesung ist Slowenien.

Weinhang in Štajerska, Slowenien
Foto: B. Bajzelj

Freitag, 7. November 2008
19.30 Uhr

Eintritt 5 EUR
Einlass ab 19.00 Uhr

Michael Lentz

Pazifik Exil

Die amerikanische Pazifikküste diente vielen europäischen Künstlern und Intellektuellen als Zufluchtsstätte vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Michael Lentz findet in seinem neuesten Roman mit den Mitteln der Erinnerung und der Fiktion dieses Leben im Exil wieder, das Thomas Mann als »Schrecken der Heimatlosigkeit« kennzeichnete. In der Verunsicherung ihrer Gegenwart lässt Lentz seine Figuren um Vergangenes trauern: Heinrich Mann um seine verstorbene Frau, Bert Brecht um eine verstorbene Mitarbeiterin und Arnold Schönberg um einen verliehenen Sessel.

Die Lesung von Michael Lentz verspricht ein besonderes Vergnügen, hat sich der 1964 in Düren geborene Autor und Musiker doch auch als lautpoetischer Vortragskünstler einen Namen gemacht. Für seinen Text »Muttersterben« gewann Lentz 2001 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Lentz ist Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und Professor für Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig.

Mchael Lentz
Foto: Jürgen Bauer

Dienstag, 9. Dezember 2008
19.30 Uhr

Eintritt 5 EUR
Einlass ab 19.00 Uhr

Michael Kleeberg

Karlmann

Karlmann kennen wir alle. Doch so, wie Michael Kleeberg diesen jungen Jedermann beschreibt, haben wir ihn noch nie gesehen. Am Vormittag heiratet er, am Nachmittag sieht er fern. Beide Male scheint sein Glück perfekt. Die Hochzeit verbindet ihn mit seiner Traumfrau, und der Fernseher lässt ihn am Sensationserfolg von Boris Becker in Wimbledon 1985 teilhaben. Das Unmögliche scheint ihm möglich, bis das unerwartete Geschenk des Vaters seine hochfliegenden Träume zurück auf den Boden der Tatsachen bringt. In Rolandseck liest Kleeberg, der Mainzer Stadtschreiber von 2008, aus seinem Roman »Karlmann« und anderen Werken. Der 1959 geborene Autor wuchs in Böblingen und Hamburg auf. Nach längeren Aufenthalten in Rom und Amsterdam ging er 1986 nach Paris, wo er bis 1994 eine Werbeagentur leitete. Er ist freier Schriftsteller und Proust-Übersetzer. Heute lebt er in Berlin.

Michael Kleeberg
Foto: Renate von Mangold