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Rückblick Lesungen 2008
Sonntag, 22. Juni 2008,
15.30 Uhr

Ein Nachmittag am Bosporus

Zu einem literarischen Sonntagsausflug an den Bosporus mit Blick auf den Rhein lädt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Zusammenarbeit mit der Biennale Bonn, dem Literaturhaus Köln und dem Haus der Sprache und Literatur Bonn ein.

 

Kai Strittmatter liest aus seinem Buch

Istanbul – Metropole zwischen den Welten.

Der Autor und Türkei-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung fährt in Einzelportraits von Künstlern, Fischern und Rakitrinkern ein schillerndes Kaleidoskop der Metropole am Bosporus vor.

 

Rolf Mautz und Tatjana Pazstor (Theater Bonn) lesen zum Thema

Entdeckungsreise in die Türkei

aus Werken und Briefen türkeireisender Autoren vergangener Jahrhunderte.

 

Perihan Mağden liest aus ihrem Buch

Zwei Mädchen

Die türkische Autorin stellt in dieser Vorpremiere dem Deutschen Publikum erstmals ein Buch vor, das in der Türkei längst Kultstatus besitzt. Es berichtet von einem rebellischen Mädchen, das sich in Konflikt mit den überkommenen Rollenmustern begibt. Steffen Kopetzky, künstlerischer Leiter der Biennale Bonn, moderiert die Lesung.

 

Neben den Lesungen in verschiedenen Räumen des Museums bleibt genügend Zeit für einen türkischen Imbiss und den Besuch der Ausstellungen
Licht auf Arp
und
Anselm Kiefer. Wege der Weltweisheit. Die Frauen der Revolution

Donnerstag, 8. Mai 2008,
19.30 Uhr

Vortrag

Wolfgang Pehnt
Das Rauschen des Blutes und das Betriebsgeräusch des PC

Deutsche Architektur in globalen Zeiten

"Nationale Individualität" sei "etwas Gleichmäßig-Durchgehendes, das in allem Wechsel beharrt", schrieb der Hamburger Architekt und Städtebauer Fritz Schumacher und fabelte gar vom "Rauschen des Blutes". Tiefe und Irrationalität, Ausdruckskunst und gesteigertes Leben, überbordender Reichtum im Detail, immerwährender Expressionismus, der Drang zum Metaphysischen, Pathos und universaler Erlösungsanspruch lauten Behauptunge n nationaler Eigenschaften, denen man in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts immer wieder begegnete. Danach war das Thema, durch das "Dritte Reich" kompromittiert, für lange Zeit tabu. Jüngst haben sich Kunsthistoriker wieder für den nationalen Tugendkatalog interessiert, wie er sich in der Bildenden Kunst darstellte. Der Kölner Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt fragt, wie es sich damit in der Architektur verhält. Längst hat die Globalisierung auch sie erreicht, gefördert durch Medien, durch die Internationalisierung von Handel und Produktion, durch die Pluralität der Lebensformen. Wo bleibt da "das Gleichmäßig-Durchgehende, das in allem Wechsel beharrt"?

Wolfgang Pehnt
Foto: Uwe Schmitz

Dienstag, 1. April 2008,
19.30 Uhr

Katja Lange-Müller

Böse Schafe

Eine schmerzhaft schöne Elegie trägt Katja Lange-Müller mit ihrem Roman "Böse Schafe" vor, über eine Liebe, die vergangen ist und eine Stadt, die es nicht mehr gibt. In ruhiger, unaufdringlicher und um so erschütternderer Weise lässt sie die Ich-Erzählerin Soja mit ihrem zehn Jahre zuvor verstorbenen Geliebten Harry in Dialog treten. Die Geschichte wird getragen von den Erinnerungen einer Frau, die in den 1980er Jahren aus Ost- nach West-Berlin flieht, sich dort in einen heroinabhängigen Haftentlassenen verliebt und mit ihm die letzten drei Jahre seines Lebens teilt. Dank schnoddrigen Dialekts und reicher Lebenserfahrung vermag die 1951 in Ost-Berlin geborene Autorin ihren Zuhörern das Gefühl unmittelbarer Authentizität zuvermitteln. Lange-Müller war unter anderem als psychiatrische Hilfsschwester und als Lektorin tätig, bevor sie 1986 nach West-Berlin auswanderte. Dort gelang ihr eine bemerkenswerte Karriere als Schriftstellerin. Moderiert wird die Lesung von dem Berliner Lyriker und Leiter des Studios Literatur und Theater der Universität Tübingen, Uwe Kolbe.

Dienstag, 4. März 2008,
19.30 Uhr

Thomas Lehr

"42"

Was wäre, wenn die ganze Welt uns machtlos zu Füßen läge? In der Lesung aus seinem 2005 erschienenen, fantastischen Roman „42“ geht Thomas Lehr dieser existenziellen Frage auf die Spur. Er führt uns eine gleichermaßen faszinierende wie grausame Versuchsanordnung vor. Im Jahr 2000, um 12.47 Uhr, bleibt die Zeit in der 42. Sekunde stehen. Nur für die 70 „Chronifizierten“ – eine Gruppe von Forschern, Journalisten und Politikern, die sich zum Zeitpunkt des Geschehens in dem Genfer Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN aufhielten – schreitet das Leben voran. In fünf Phasen – Schock, Orientierung, Missbrauch, Depression, Fanatismus – versuchen die von der Katastrophe Verschonten mit der traumatischen Situation zurechtzukommen.

Thomas Lehr, 1957 in Speyer geboren, hat zuvor bereits in seiner Novelle Frühling sein Faible für Endzeitszenarien unter Beweis gestellt. Der in Berlin lebende diplomierte Biochemiker und Autor erhielt zahlreiche Literaturpreise, so zuletzt den Wolfgang-Koeppen-Preis der Hansestadt Greifswald und den Kunstpreis Rheinland-Pfalz. Sein Roman „42" wurde 2005 für den „Deutschen Buchpreis" nominiert.

Foto: Susanne Schleyer

Dienstag, 19. Februar 2008,
19.30 Uhr

Mona Yahia

Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom

Von schönen Gerüchen, Geschichten und Geräuschen handelt Mona Yahias Debütroman Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom, in dem sie sich mit der Stadt ihrer Kindheit beschäftigt: dem Bagdad der 1960er Jahre. Doch auch schlimme Vorzeichen lässt sie ihre Hauptfigur Lina bemerken: arabische Männer, die eine Frau beschimpfen, weil sie auf der Straße singt, oder eine leere Schulbank, wenn wieder eine Freundin über Nacht ins Ausland verschwunden ist. Schließlich muss Lina erfahren, dass sich das einst weltoffene Bagdad vor den grauen VW-Käfern der Geheimpolizei zu fürchten hat.
Mona Yahia liest auch aus ihrem jüngsten, noch unpublizierten Werk Love in Translation. Die Protagonistin ist eine in Beirut geborene Amerikanerin, die sich im Paris der 1990er Jahre als werdende Künstlerin in einem Netz von Sehnsucht, erotischer Fantasie und multilingualer Identität zurechtzufinden versucht.
Mona Yahia versteht sich als Vertreterin der letzten Generation arabischer Juden. 1954 in Bagdad geboren, emigrierte sie mit ihrer Familie 1971 nach Israel. Nach ihrem Studienabschluss arbeitete sie als Psychologin in Tel Aviv, bis sie dann an der Hochschule der Bildenden Künste in Kassel Kunst studierte. Seit 1997 lebt und arbeitet sie als Künstlerin und Autorin in Köln. Sie schreibt in englischer Sprache, liest jedoch aus deutschen Übersetzungen.

Foto: Hartmuth Schröder

Dienstag, 22. Januar 2008,
19.30 Uhr

Birgit Kempker

Das Vorfeld der Sehnsucht im Hyperbett

Nicht aus einem Roman, nicht aus einem Gedichtband, sondern aus einem „transverfickten Diskurs“ liest Birgit Kempker. Dieser Untertitel ihres neuen, noch unpublizierten Buchs Das Vorfeld der Sehnsucht im Hyperbett, aber auch die Persönlichkeit der Autorin selbst lassen einen außergewöhnlichen Abend im Spannungsfeld zwischen Literatur und Performance erwarten.

Die Dozentin für Wort und Gestaltung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel ist bekannt für ihre Kunst zwischen Text, Ton, Bild, Aktion und Installation. Grenzüberschreitungen sind ihre Spezialität, nicht nur zwischen künstlerischen Gattungen, sondern auch zwischen Fiktion und Dokumentation. In ihrem „Prosagedicht“ Als ich das erste Mal mit einem Jungen im Bett lag lässt sie nicht nur Prosa und Lyrik ineinander laufen. Vielmehr verwischt sie auch die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation derart wirkungsvoll, dass das Buch per Gerichtsentschluss verboten wurde: Ein Mann, dessen Name in dem Band litaneiartig aufgerufen wird, fühlte sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt.

Birgit Kempker wurde 1956 in Wuppertal geboren und studierte Kunst und Literatur in Zürich. Sie lebt und arbeitet in Basel. Unter anderem erhielt sie ein Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin, des Deutschen Literaturfonds, des Künstlerhauses Edenkoben sowie den Hörspielpreis Das Goldene Hörnetz.